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Berlin · München · Wiesbaden · Karlsruhe

Temporada de chicas

Filmemacherinnen in Argentinien

Um das zeitgenössische argentinische Kino zu verstehen, muss man bei den 1960er Jahren beginnen: Filmemacher wie Leopoldo Torre Nilsson, David Kohon, Manuel Antín, Rodolfo Kuhn und Hugo Santiago suchten damals nach neuen Formen.

Mit der Militärdiktatur ab Mitte der 1970er wurden diese Suchbewegungen, Dialoge und Konflikte abrupt und gewaltsam unterbrochen. Wenn die Geschichte einer Gemeinschaft meist von den Siegern geschrieben wird, dann zeigt sich das hier besonders deutlich: Eine ganze Generation von Filmemacher:innen verschwand.

„La Ciénaga“ erscheint wie ein Donnerschlag, der den Süden nach Jahren politischer Entleerung weckt. Schon die erste Sequenz räumt mit der Tradition des argentinischen Sittenbildes auf. Für die lateinamerikanische Filmgemeinschaft gibt es ein Davor und ein Danach — nicht chronologisch, sondern paradigmatisch.

In der Auswahl von Filmen argentinischer Regisseurinnen, die INVASION im Wolf Kino in Berlin, im Filmmuseum München, im Caligari Kino in Wiesbaden und in der Kinemathek Karlsruhe zeigte, lebt ein Wille zur Darstellung: Sechs Debütfilme junger argentinischer Regisseurinnen, gedreht zwischen 2015 und 2017, teilen Figuren, die im Werden neue Versionen ihrer selbst finden — nicht ohne Überraschung, Schmerz und Zögern.

Filmstill: La Ciénaga von Lucrecia Martel
Programm

Die Filme

  • El futuro que vieneConstanza Novick, 2017, 84 Min.

    Romina und Flor sind seit der Kindheit befreundet. Über zwei Jahrzehnte hinweg verfolgt der Film, was aus Nähe wird, wenn zwei Leben verschiedene Richtungen nehmen.

  • El futuro perfectoNele Wohlatz, 2016, 65 Min.

    Xiaobin ist frisch aus China in Buenos Aires angekommen und lernt Spanisch. Mit jeder neuen Zeitform probiert sie eine andere Version ihrer Zukunft durch.

  • Temporada de cazaNatalia Garagiola, 2017, 105 Min.

    Nach dem Tod seiner Mutter wird der 17-jährige Nahuel zu dem Vater geschickt, den er kaum kennt: einem Jagdführer in den Bergen Patagoniens.

  • La larga noche de Francisco SanctisA. Testa & F. Márquez, 2016, 84 Min.

    Buenos Aires 1977. Ein unpolitischer Angestellter erfährt zufällig die Namen zweier Menschen, die in dieser Nacht verhaftet werden sollen. Er hat Stunden, um sich zu entscheiden.

  • La CiénagaLucrecia Martel, 2001, 103 Min.

    Zwei Familien, ein schwüler Sommer in Salta, ein Pool voller Laub. Martels Debüt seziert eine Klasse im Verfall — und veränderte das lateinamerikanische Kino.

  • Ensayo de despedidaMacarena Albalustri, 2016, 75 Min.
  • CetáceosFlorencia Percia, 2017, 77 Min.

    Clara und Alejandro ziehen zusammen, doch kaum sind die Kisten da, reist er zu einem Kongress. Allein zwischen ungeöffneten Kartons sagt Clara zu allem Ja, was ihr angeboten wird — eine leise Komödie über aufgeschobene Wünsche.